2026 Best Ideas

Schwellenländer: Säulen der Chancen und des Potenzials

Expanding sphere.

Nachdem die Renditen von Aktien der Industrieländer (DM) mehrere Jahre lang hinter denen der Schwellenländer (EM) zurückgeblieben waren, gewinnen sie nun wieder an Bedeutung. Gestützt durch einen schwächeren Dollar und korrigierte Wachstumsprognosen erzielten EM-Aktien im Jahr 2025 ihre beste Kalenderjahresperformance seit fast einem Jahrzehnt. Trotz dieser hohen Zugewinne sind die Schwellenländer unserer Ansicht nach weiterhin deutlich unterbewertet, weshalb der Einstiegszeitpunkt für Anleger attraktiv ist.1

Unserer Ansicht nach gibt es drei Säulen, die die Anlagepotenziale untermauern:

  • Günstiges Makro-Umfeld: Positive Impulse etwa durch den schwächeren Dollar und eine lockere globale Geldpolitik treiben das Wachstum in den Schwellenländern voran.
  • Historisch hohe Bewertungsabschläge: EM-Aktien sind so niedrig bewertet wie seit Jahrzehnten nicht mehr, was seltene Wertpotenziale schafft.
  • Eine reifende Unternehmens- und Politiklandschaft: Strukturreformen sorgen dafür, dass sich das robuste BIP-Wachstum endlich auch in steigenden Unternehmensgewinnen niederschlägt.

 

Trendwende: US-Dollar und geldpolitische Trends

Zwar ist das globale Makro-Umfeld weiterhin von Unsicherheit geprägt, doch zwei makroökonomische Hebel, die die Schwellenländer in der Vergangenheit beeinflusst haben, wirken sich nun positiv aus. Der US-Dollar – lange Zeit ein Belastungsfaktor für die Schwellenländer – schwächt sich ab, und historisch gesehen gingen Phasen einer Dollar-Schwäche üblicherweise mit einer stärkeren Wertentwicklung von Aktien und Währungen der Schwellenländer einher. Da die US-Notenbank in einen Zinssenkungszyklus wechselt und Ende 2025 drei aufeinanderfolgende Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte vorgenommen hat, scheint der mehrjährige Aufwärtstrend des US-Dollar seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Ein schwächerer Dollar kam den Volkswirtschaften der Schwellenländer in der Vergangenheit zugute, da eine starke inverse Korrelation zwischen dem handelsgewichteten Dollar und der relativen Wertentwicklung von Aktien der Schwellenländer im Vergleich zu Aktien der Industrieländer besteht, wie in Abbildung 1 dargestellt. Bei einem schwächer werdenden Dollar könnte sich die Schuldenlast der Schwellenländer – die zum Großteil auf den Dollar lautet – verringern, was Spielraum für fiskalische Stützungsmaßnahmen schafft und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärkt.

Abbildung 1: Performance der Schwellenländer korreliert negativ mit dem US-Dollar 

Scatterplot of returns. X-axis is MSCI Emerging Markets Index Weekly Return and Y-axis is U.S. Dollar Weekly Return.
zoom_in
Quelle: Bloomberg Stand November 2025.
close
Scatterplot of returns. X-axis is MSCI Emerging Markets Index Weekly Return and Y-axis is U.S. Dollar Weekly Return.
Quelle: Bloomberg Stand November 2025.

Zwei weitere Faktoren sprechen ebenfalls für einen schwächeren Dollar: Der hohe Carry macht die Währungen der Schwellenländer im Vergleich zu den niedrig verzinsten Industrieländerwährungen attraktiv, und der US-Dollar, der sich jetzt eher zyklisch verhält, dürfte bei einer Wachstumsabkühlung in den USA abwerten. Dieses Umfeld dürfte die Abwärtsrisiken für EM-Währungen bei Wachstumsschocks in den USA begrenzen und gleichzeitig ihre Attraktivität bei einer stabilen oder besseren globalen Risikostimmung erhöhen.

Während der Dollar nachgibt, vergrößert sich außerdem gleichzeitig die Wachstumsdifferenz zwischen den Schwellen- und den Industrieländern. In der Vergangenheit erzielten die Schwellenländer ein stärkeres reales BIP-Wachstum als die Industrieländer, und wir erwarten, dass dieser Trend anhält. Der IWF hat seine Prognose2 für 2025 für die Schwellen- und Entwicklungsländer auf 4,2% angehoben, was die robuste Konjunktur und die verbesserte Glaubwürdigkeit der Politik in mehreren Schwellenländern widerspiegelt. Im Gegensatz dazu liegen die Wachstumsprognosen für die Industrieländer bei etwa 1,6%, wobei die nachlassende Inflation in einigen Industrieländern eine geldpolitische Lockerung ermöglicht – Bedingungen, die in der Regel Risikoanlagen und Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer begünstigen.

 

Bewertungslücken: eine historische Gelegenheit

Die Aktienmärkte der Schwellenländer legten seit Jahresstart 2025 zehn Monate in Folge zu, getragen von einem kräftigen Gewinnwachstum, Optimismus rund um künstliche Intelligenz und einer starken Nachfrage ausländischer Anleger. Allein im September stieg der MSCI Emerging Markets Index um 7%, beflügelt von der ersten Zinssenkung der Fed in diesem Jahr. Neben den positiven Makro-Trends ist jedoch das Bewertungsniveau vielleicht der überzeugendste Faktor. Während eines Großteils der letzten vier Jahrzehnte schwankte die relative Performance der Märkte der Schwellen- und Industrieländer in langen, mehrjährigen Zyklen, die jeweils durchschnittlich neun Jahre dauerten. Der aktuelle Zyklus der Underperformance der Schwellenländer ist mit etwa 13 Jahren bereits deutlich länger als der historische Durchschnitt und bereitet damit den Boden für eine Rückkehr zum Mittelwert. Heute zeigen die Forward-KGV-Spreads, dass die Schwellenländer mehr als eine Standardabweichung unter den Industrieländern gehandelt werden – eine Bewertungslücke, die seit der Dotcom-Ära nicht mehr zu beobachten war und die historisch gesehen starken zukünftigen Renditen vorausging (Abbildung 2).

Abbildung 2: Relative Bewertungen

Line graph of PE Diff average from 2000-2025, compared to PE one standard deviation up and down.
zoom_in
Quelle: Bloomberg Stand November 2025.
close
Line graph of PE Diff average from 2000-2025, compared to PE one standard deviation up and down.
Quelle: Bloomberg Stand November 2025.
Vom BIP zum Gewinn je Aktie: Unternehmensführung und Fundamentaldaten

Ein wesentlicher Frustfaktor des vergangenen Jahrzehnts war für Anleger die Tatsache, dass sich das BIP-Wachstum der Schwellenländer nicht entsprechend in steigenden Unternehmensgewinnen niedergeschlagen hat. Schwächen in der Unternehmensführung, mangelnde Kapitaldisziplin und ein unzureichender Schutz der Aktionäre bildeten die Hauptursachen für das verhaltene Gewinnwachstum. Die schwache Gewinnentwicklung in den Schwellenländern scheint jedoch ihren Tiefpunkt erreicht zu haben, und die Fundamentaldaten der Unternehmen bessern sich allmählich wieder. Zu verdanken ist diese Trendwende den jüngsten Verbesserungen in der Corporate Governance und Finanzreformen, die auf eine größere Kapitaldisziplin, die Steigerung des Shareholder Value, den Schutz der Anleger sowie eine verbesserte Transparenz und Offenlegung von Informationen abzielen.

 

Alpha-Potenziale erschließen: Die Rolle des aktiven quantitativen Managements

Die drei vorstehend erläuterten Säulen deuten darauf hin, dass ein struktureller Wandel im Gange ist, der für Asset-Allokatoren, die die aktuelle Anlagelandschaft verstehen, einen strategischen Moment darstellt. Die den Schwellenmärkten innewohnenden Ineffizienzen schaffen einen fruchtbaren Boden für den Einsatz eines disziplinierten, aktiven Ansatzes, um das Potenzial zur Generierung von Alpha zu erschließen.

Während die Schwellenländerindizes ein breites Engagement bieten, lassen passive Ansätze möglicherweise Renditechancen ungenutzt und bergen Risiken, die nicht kompensiert werden. Die Analyse unseres Anlageteams identifiziert drei dauerhafte Gründe, die für einen aktiven Ansatz sprechen – und warum sich quantitative Verfahren hierfür besonders gut eignen:

 

1. Nutzung der stärkeren Renditestreuung

Die Schwellenmärkte weisen eine weitaus größere Variabilität der Aktienrenditen auf als die Industrieländer, was zu einer größeren Spanne zwischen Gewinnern und Verlierern führt. Diese höhere Renditestreuung bietet Chancen: Faktorbasierte Strategien haben in der Vergangenheit an den Schwellenmärkten eine stärkere Performance erzielt als in den Industrieländern, was den Wert einer disziplinierten Aktienauswahl unterstreicht. Ein aktiver, quantitativer Ansatz kann diese Faktoren systematisch identifizieren und in Portfolios kombinieren, die darauf ausgelegt sind, diesen strukturellen Vorteil zu nutzen. Über einen Zeitraum von zehn Jahren erzielten wichtige aktive Faktoren – wie Value, Momentum und Gewinnrevisionen – in den Schwellenländern deutlich höhere kumulierte Renditen als in den Industrieländern (Abbildung 3), was verdeutlicht, warum quantitative Strategien unter diesen Marktbedingungen erfolgreich sind.

Abbildung 3: Schwellenländer als dominante Treiber der Faktor-Performance

Bar chart of key factors and the returns they generate on MSCI Emerging Markets and MSCI World indices.
zoom_in
Quelle: Bloomberg (Faktoren, die man im Auge behalten sollte): Der aktive Sektor neutralisierte Q1-Renditen über 10 Jahre bis Dezember 2025.
close
Bar chart of key factors and the returns they generate on MSCI Emerging Markets and MSCI World indices.
Quelle: Bloomberg (Faktoren, die man im Auge behalten sollte): Der aktive Sektor neutralisierte Q1-Renditen über 10 Jahre bis Dezember 2025.
2. Umgang mit höheren Transaktionskosten

Passive Strategien zur Index-Nachbildung sehen sich in den Schwellenländern aufgrund häufiger, indexgetriebener Handelsgeschäfte und weniger liquider Wertpapiere oft mit höheren Transaktionskosten konfrontiert. Im Gegensatz dazu können systematisch agierende aktive Manager Transaktionen strategischer ausführen und dabei eine kostenbewusste Portfoliokonstruktion einbeziehen – durch die zeitliche Abstimmung von Transaktionen sowie die Nutzung von Liquiditätsprognosen und von Informationsvorteilen –, um Kosten durch Alpha auszugleichen. Dieser Vorteil kommt besonders in Märkten mit höheren Fixkosten und größeren Geld-Brief-Spannen zum Tragen, wodurch aktive Manager Renditen sichern können, die andernfalls durch ineffizienten Handel geschmälert würden.

 

3. Minderung von Sektorkonzentrationsrisiken

Die Indizes für die Schwellenmärkte sind im Vergleich zu den Benchmarks der Industrieländer anfällig für erhebliche Konzentrationsrisiken – sowohl nach Sektoren als auch bei den größten Positionen. So sind etwa im MSCI Emerging Markets Index die Bereiche Informationstechnologie und Finanzen stark gewichtet, was eine Anfälligkeit gegenüber sektorspezifischen Schocks mit sich bringt. Systematisch aufgebaute Portfolios tragen dazu bei, sektorale Verzerrungen zu beheben, das Engagement in einzelnen Titeln zu begrenzen und diversifizierte, faktorausgewogene Portfolios aufzubauen, die darauf abzielen, das Aufwärtspotenzial zu erhalten und gleichzeitig idiosynkratische Schocks abzumildern. Im gesamten Universum der investierbaren EM-Aktien kann ein systematischer Ansatz zugleich den Umfang der Research-Aktivitäten erweitern, robuste Risikokontrollen durchführen, makroökonomisch sensible Schwerpunkte (in Bezug auf Währungen und Zinsen) setzen und bewährte Faktorprämien nutzen – was für Investitionen in einem Umfeld, das durch Streuung und Wandel geprägt ist, von entscheidender Bedeutung ist.

 

Schwellenländer: Vorteile nutzen

Das Zusammenspiel aus historisch attraktiven Bewertungen, einem günstigen makroökonomischen Umfeld und sich verbessernden Unternehmensfundamentaldaten hat überzeugende Anlageargumente für die Schwellenländer geschaffen. Die besonderen Merkmale dieser Märkte – eine stärkere Renditestreuung sowie erhöhte Kosten und Konzentrationsrisiken – erfordern jedoch einen differenzierteren Ansatz als eine rein passive Allokation. Ein aktiver, systematischer Ansatz ist entscheidend, um die komplexen Merkmale zu meistern und das volle Potenzial dieser überzeugenden Chance auszuschöpfen. Für Anleger, die eine Neuausrichtung ihrer Schwellenländer-Allokation in Betracht ziehen, ist unserer Ansicht nach jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen.

1 MSCI. (2026). MSCI Emerging Markets Index. Stand der Daten: 31. Dezember 2025. Abgerufen im Januar 2026.

2 Internationaler Währungsfonds (Oktober 2025). World Economic Outlook: Global Economy in Flux, Prospects Remain Dim.

 

PGIM Quant Solutions Schwellenmarkt-Aktienfonds

Produkte im Fokus